Apfelsaft und Schafe – ein Herbsttag in der Wedemark

apfelkiste
Kaiser Wilhelm, Jakob Lebel und ein Unbekannter: unsere Äpfel

Als wir im Juli unsere Apfelbäume betrachteten, wurde uns leicht schwummrig: Die Äste bogen sich unter den unzähligen Früchten, und ich sah mich schon tagelang Apfelmus kochen. Schnell war klar: ein alternativer Plan für die Äpfel musste her.

Drei Monate später hingen nicht mehr ganz so viele Früchte an den Bäumen – das meiste hatten wir schon als Fallobst eingesammelt – doch über 30 kg sind immer noch zu viel, wenn man keine Lagermöglichkeit hat und nicht jeden Tag Apfelmus essen möchte. Glücklicherweise waren wir inzwischen auf eine Idee gekommen: Wir wollten unsere Äpfel zur Saftpresse bringen. Das lohnt sich natürlich nur ab einer gewissen Menge.

Es geht los: die Ernte

Gestern Morgen haben wir unsere Apfelbäume abgeerntet. Dank eines sehr guten, langen Apfelpflückers, den wir uns vor ein paar Jahren nach schlechten Erfahrungen mit einem Billigpfücker geleistet hatten, ging das sehr rasch. Die 30 kg Mindestmenge hatten wir zusammen.

faulige Schrumpeläpfel in der Baumkrone
Trauriger Rest: ein paar Apfelmumien hängen noch
zwei weiße Kisten mit großen, roten Äpfeln, teilweise aufgeschnitten
Unsere Äpfel warten auf Entsaften

Die Äpfel habe ich anschließend abgebraust und noch mal schnell auf Faulstellen und Wurmfraß kontrolliert. Pingelig muss man nicht sein, aber faule Äpfel verschlechtern die Qualität des Safts, deshalb sollten sie aussortiert werden. Man kann ruhig angeschnittene Äpfel mitnehmen, wenn sie noch am selben Tag entsaftet werden.

Apfel-Event in Brelingen

Zusammen mit Freunden fuhren wir dann nach Brelingen, wo gestern eine mobile Saftpresse auf einem Bioland-Hof Station machte. Vor uns warteten schon andere Apfelbesitzer, deshalb hatten wir genug Zeit, uns das ganze Prozedere anzugucken, eine Bratwurst zu essen, im Hofladen einzukaufen, Holunderpunsch zu trinken und mit den anderen über Apfelsorten zu fachsimpeln.

Äpfel werden aus einer Kiste auf ein Förderband geschüttet
Die Äpfel kullern aufs Förderband, das sie ins Wasserbad bugsiert

Frisch gepresst und gut erhitzt

 

Durch einen Schlacht fließt Apfelsaft in einen Beutel
Nach dem Erhitzen wird der heiße Saft in Beutel gefüllt und mit einem kleinen Zapfhahn verschlossen

Das Pressen selbst ging dann recht schnell: Die Äpfel werden gewaschen und gepresst. Der Saft wird auf 80 °C erhitzt und dann in Beutel gefüllt, die in einem Pappkarton stehen und über einen kleinen Zapfhahn abgelassen werden können.

Viel billiger als im Supermarkt ist das Ganze nicht, aber man hat Saft von den eigenen Äpfeln ohne Zusatzstoffe – und kein schlechtes Gewissen, weil man Obst nicht verwertet hat.

Teetrinken im Therapiegarten

Mit den noch warmen Kisten im Kofferraum fuhren wir anschließend nach Mellendorf zum Saisonabschluss im Therapiegarten „Grüne Stunde“. Corinna Bischof arbeitet dort mit behinderten und demenzkranken Menschen in einem herrlich angelegten Garten, der alles zu bieten hat, was ein Garten haben muss: Obst, Gemüse, Blumen, einen Gartenzwerg, eine Kaffeetafel, einen Komposthaufen, Hochbeete, Bänke zum Verweilen und Tiere auf der Weide nebenan. Nach einem leckeren Zitronenverbene-Minze-Tee und ausgiebigem Schafkraulen, gut versorgt mit Butternuss-Kürbis und Beinwell-Creme, brachen wir nach dem Aufräumen vor Einbruch der Dunkelheit auf.

 

sechs grüne Pappkisten mit aufgemalten Äpfeln stehen auf dem Kopf auf einem Regalbrett
Vorrat für Monate: unser eigener Apfelsaft steht jetzt im Keller

Auf dem Rückweg machten wir dann noch einen Zwischenstopp im Herzblut, einer Sportgaststätte in Mellendorf, in der man die allerbesten Burger und sehr leckere Currywurst mit selbstgemachter Soße bekommt. Als wir zu Hause ankamen, waren die Apfelsaftkisten immer noch warm. Aber heute morgen haben wir probiert und können sagen: Super-Apfelsaft! Und ein schöner Tag war es auch mit unseren Freunden in der Wedemark!

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