Der Kampf gegen die Schnecken – 12 Tipps

große, rharbarberartige Blätter mit abgefressenen Rändern
Schon im Frühling abgefressen: Meerkohl

Das schlimmstes Unkraut im Garten? Giersch! Und die schlimmsten Schädlinge? Schnecken! Vor allem die schleimigen Plagegeister sind Jahr für Jahr Dauerthema unter Gartenfreunden, ohne dass eine nachhaltige Lösung des Problems in Sicht wäre. Das Internet ist voll von mehr oder weniger hilfreichen Tipps, was man tun kann. Oder auch nicht. Ich fasse hier mal zusammen, welche Überlegungen die Wilden Möhren im Kampf gegen die Schnecken im Laufe der Jahre angestellt haben – und was es an neuen Möglichkeiten gibt. Mit „Schnecken“ sind hier übrigens die Spanischen Nacktschnecken und die kleinen Ackerschnecken gemeint. Die Gehäuseschnecken fressen zwar auch gerne Salat und Hosta, treten aber nicht in Massen auf und sind deswegen keine ernsthafte Gefahr für das Grünzeug.

Tipp 1: Schneckenkorn

Weinbergschnecke mit dunkelbraunem Haus am Rande eines tönernen Blumenkastens
Eine von zwei Weinbergschnecken im Wilde-Möhren-Garten – seit sie hier wohnt, ist Schneckenkorn tabu

Der Evergreen (im wahrsten Sinne des Wortes). Vorteil: Das richtig giftige Schneckenkorn dezimiert wahrscheinlich die Schneckenpopulation tatsächlich. Leider wohl auch die der Igel und der (nützlichen) Weinbergschnecken und Tigerschnegel, die Nacktschneckeneier fressen. Deshalb hat es schon seit einiger Zeit keine Chance mehr im Wilde-Möhren-Garten. Das harmlosere Ferramol-Schneckenkorn schmeckt offenbar nicht allen Schnecken, ist also nicht so wirksam, aber besser fürs grüne Gewissen. Nachteil von beiden: der Preis! Auf Dauer kommt ganz schön was zusammen. Und man muss es diszipliniert und früh im Jahr anwenden.

sehr große Schnecke ohne Haus mit dunklen Punkten und Streifen
Gerne gesehen im Wilde-Möhren-Garten: der Tigerschnegel. Unbedingt leben lassen!

Tipp 2: Spaten und Schere

Abends noch mal durch den Garten gehen (*nicht* barfuß – Rutsch- und Ekelgefahr!) und die Schleimer mit dem Spaten oder der Gartenschere erlegen. Nachteil: Das ist nichts für zarte Gemüter, vor allem mit der Schere ist man sehr nah dran an der zerfließenden Schnecke. Für wild Entschlossene empfehle ich eine ebenfalls matschige, aber etwas effizientere Methode: eine Schnecke auf eine ausgediente Gehwegplatte legen. Eine zweite Platte drauffallen lassen. Immerhin wird man so nicht unmittelbar Augenzeuge der eigenen Vernichtungstat. Das Ergebnis muss man allerdings verkraften: Abheben (kann man auch hartgesottene Freunde oder Ehepartner machen lassen), offen liegen lassen. Bis zum nächsten Morgen warten. Die Artgenossen, die sich über die zerlegte Schnecke hergemacht haben, wieder mit der zweiten Gehwegplatte von oben beglücken. Sieben auf einen Streich! Und wer jetzt entsetzt aufkreischt, möge bitte bedenken, dass langsames Ausschleimen durch Schneckenkorn sicher keine tierfreundlichere Alternative ist.

Tipp 3: Absammeln

Tontopf voll mit kleinen und großen roten Nacktschnecken
Ausbeute der täglichen Aufräumaktion einer Freundin – nur im Vorgarten. Wohin jetzt mit den Schleimern?! Bild: Heide Winterfeldt

Schnecken abzusammeln ist irgendwie befriedigend, weil man das Gefühl hat, sie unmittelbar zu dezimieren. Ich erledige das mit einer handelsüblichen Grillzange aus Holz, die es im Sommer in jedem Supermarkt zu kaufen gibt. Nachteil: Wohin mit den gesammelten Schnecken? Keinesfalls sollte man sie woanders aussetzen. Erstens besteht die Gefahr, dass sie wiederkommen – und auch anderswo freut sich keine Pflanze und kein Gärtner über sie. Also: entweder Salz drauf oder heißes Wasser. Manch entnervte Gärtnerin steckt sie auch in ein Schraubglas und entsorgt sie über den Hausmüll.

Tipp 4: Laufenten

Sieben Enten, zwei helle Landenten, verschiedene Laufenten und Mischa, die Kreuzung aus beiden
So ein Trupp schafft sehr viele Schnecken weg! Bild: Meike Winterfeldt

Eindeutig die charmanteste, umweltfreundlichste und erfolgreichste Methode der Schneckenbekämpfung sind Laufenten. Sie sind spezialisiert auf Nacktschnecken und würgen sie mit Vergnügen herunter. Außerdem ist eine kleine Laufententruppe im Garten ein witziger Anblick. Nachteil: Mit den Laufenten hat man sich richtige – wenn auch sehr scheue – Haustiere in den Garten geholt, die versorgt und richtig behandelt werden wollen. Das heißt z. B., dass man sie mindestens zu zweit halten sollte, dass sie nachts einen richtigen Stall brauchen – sonst kommen Fuchs und Marder – und dass sie stets ein Wasserbecken zur Verfügung haben müssen, um die Schnecken abzuspülen, bevor sie sie schlucken. Man sollte sich also sehr gut informieren, bevor man sich Laufenten anschafft.  Außerdem muss man bedenken, dass ihre Hinterlassenschaften auf dem Rasen und im Gemüsebeet neue Probleme schaffen. Trotzdem: Die Wilden Möhren finden Laufenten richtig klasse und haben deshalb sogar eine Patenschaft für eine Ente übernommen!

 

Die folgenden Methoden sind im Gegensatz zu den vier ersten keine endgültigen (für die Schnecken) und ändern deshalb nicht wirklich etwas am Grundproblem. Sie halten aber die Viecher hoffentlich von unseren Lieblingspflanzen fern.

Tipp 5: Hausmittel

Ich kenne eine Schrebergärtnerin, die Gemüse nur noch in Badewannen pflanzt, die sie im Garten aufstellt und mit einem Moskitonetz einnetzt – natürlich lückenlos. Das hilft, ist aber recht aufwendig und erfüllt auch nicht unbedingt alle ästhetischen Bedürfnisse. Immer wieder bekomme ich von Biogärtnern den Tipp, Eierschalen um meinen Salat zu streuen oder einen Kupferzaun drumherum zu ziehen. Eine Idee hatte ich noch selbst: Chilipulver. Den Praxisbeweis blieben diese Mittel allerdings in der experimentellen Erprobung schuldig – wie  hier sehr kontemplativ zu verfolgen ist.

Ach ja: Inzwischen dürfte sich herumgesprochen haben, dass Bierfallen Schnecken von überall her anlocken. Sie sind nur innerhalb eines Schneckenzauns sinnvoll, um alle darin befindlichen Exemplare zu erwischen.

Tipp 6: Schneckenzaun

Fürs Gärtnerinnen mit großem Gemüse-Ehrgeiz wohl die beste Methode. Beim Aufstellen unbedingt an die Schnecken und Schneckeneier denken, die sich noch innerhalb des Zaunes befinden (könnten). Gegen die helfen Bierfallen und Schneckenkorn. Die Nachteile des Zauns: der Preis – und man muss akribisch ein Überlappen des Zauns mit Halmen und Blättern unterbinden, die Schnecken finden sonst die grüne Brücke sehr schnell. Und was, wenn das Beet eine exakt vorgegebene Größe hat, die mit dem Schneckenzaun nicht hinzubekommen ist? Die Wilden Möhren stört allerdings vor allem, dass so viel Metall im Garten nicht gerade eine optische Zierde ist.

Tipp 7: Schnexagon

Tontopf mit Stiefmütterchen und Bellis, der gerade mit einem breiten Pinsel ringsum mit einem transparenten Anstrich versehen wird
Am Schnexagon-Anstrich rutschen die Schnecken einfach ab. Wichtig: Es darf keinen „Nebenweg“ über Blätter und Zweige geben!

Die Wilden Möhren haben dieses neue Mittel noch nicht selbst getestet, aber es lässt zumindest aufhorchen, weil es einen ganz neuen Ansatz verfolgt: Mithilfe eines Anstrichs oder eines Sprays werden Schnecken gehindert, an einer senkrechten Wand hochzukriechen. Sie rutschen einfach ab (!). Diese Methode bietet sich für Hochbeete, Kübel und selbstgebaute Gemüsebeetumrandungen mit Brettern an. Die Erfinder arbeiten daran, das Material noch unauffälliger und wetterfester zu machen. Die Wilden Möhren sind mit den Machern weder verschwägert noch bekannt, finden die Sache aber verfolgenswert, vor allem für Hosta-Kübelpflanzungen.

Tipp 8: Strom

In einer Special-Ausgabe des Computermagazins c’t wurde letzthin ein Elektroschneckenzaun vorgestellt, der relativ leicht selbst zu bauen sein dürfte. Voraussetzung: ein paar Bretter, mit denen man das Gemüsebeet einfasst (Achtung: am besten die Bretter sogar ein bisschen in den Boden einlassen – Schnecken sind auch unterirdisch unterwegs). Darauf werden Elektrodrähte befestigt und unter (schwachen) Strom gesetzt. Im Artikel steht, wie das Ganze genau funktioniert, wie man es baut und wo es ein recht günstiges Solar-Steuergerät zu bestellen gibt. Nachteil: Das Steuergerät funktioniert bei Nässe nicht einwandfrei, muss also mit einer Leiste überdacht werden. Insgesamt für Bastler aber eine bedenkenswerte Idee. Die Wilden Möhren sind kurz davor, sich selbst an die Konstruktion zu wagen, nachdem vom jungen Mangold wieder nur ein Gerippe übrig war.

Tipp 9: Konsequent sein und Prioritäten setzen

Wer Schnecken ernsthaft bekämpfen will, sollte alle Register ziehen. Nur hin und wieder eine Bierfalle aufzustellen, reicht nicht. Wer die Zeit und den Willen hat, sollte vielmehr alles zusammen probieren: Schneckenzäune aufstellen, Schneckenkorn streuen, jeden Morgen und jeden Abend Schnecken absammeln. Einzelne Lieblingspflanzen mit Schneckenkrägen versehen. Und aus dem geretteten Salat ein Festessen machen!

Tipp 10: Den richtigen Zeitpunkt wählen

weiße, kleine Kugeln in der Erde
Unschuldig weiß, aber mit viel Frustpotenzial fürs nächste Jahr: Schneckeneier. Bild: A. Kern / pixelio.de

Der Zeitfaktor spielt im Kampf gegen die Schnecken eine nicht unerhebliche Rolle: Schon im sehr zeitigen Frühjahr (je nach Witterung und Gegend kann das schon im Februar sein) sollte man, wenn man diese Form der Bekämpfung wählt, Schneckenkorn streuen, damit die Schnecken erst gar nicht groß werden. Das Absammeln funktioniert am besten, wenn es feucht ist, also morgens und abends in der Dämmerung. Auch damit sollte man früh im Jahr schon beginnen. Und wer längerfristig denkt, sollte im Spätsommer bei der Gartenarbeit versuchen, Schneckengelege aufzuspüren und zu vernichten. Das geht am besten mit kochendem Wasser. Oder man legt die Eier für die Gartenvögel offen aus.

Tipp 11: Verzichten

Staudenbeet mit blauen und rosa Akelei mit roter Pfingstrose im Hintergrund
So schön kann Verzichten sein: Akeleibeet im Frühjahr

Wohl der sicherste und entspannteste Tipp: auf Salat und Gemüse im Garten verzichten und sich auch bei den übrigen Pflanzen auf solche beschränken, die leicht gedeihen und die die Schnecken nicht mögen. Dazu zählen auf unserem Sandboden in Hannover zum Beispiel Akelei, Geranium, Bartnelke, verschiedene Gräser, Stockrosen, Blauraute, Salbei, Wiesenknopf. Was dagegen spricht: Die Gärtnerin braucht Herausforderungen! Aufgeben gilt nicht!

Tipp 12: Sich der Sache gelassen nähern

Selbstgebastelte Schnecke mit Wollkörper und echtem Schneckenhaus, Fühler aus Draht
In der Wollvariante gleich viel knuddeliger, vor allem mit Haus. Die Bastlerinnen: Maria und Katharina
Marshmellow-Schnecken mit verschiedenfarbigen Häusern zum Essen
Schnecken zum Reinbeißen beruhigen die Nerven der geplagten Gärtnerin

Ironie und Verfremdung haben der Menschheit schon über so manchen Frust hinweggeholfen. Das funktioniert natürlich auch beim Schneckenproblem ganz gut. Zunächst mal sollte man sich als Freizeitgärtner klarmachen, dass das eigene Überleben nicht von dem abhängt, was die Schnecken übriglassen. Ist der Salat weg, kauft man halt einen anderen im Supermarkt. Oder isst ein Haribo-Schneckchen und liest dabei den „Regenroman“ von Karen Duve. Da wird schnell klar, dass alles noch viel schlimmer sein könnte! Richtig übel wüten übrigens Schnecken in Florida, dort sind abgefressene Hostas das geringste Problem. Der Fairness halber sollte man sich ruhig zwischendurch auch mal versöhnlich mit Schnecken beschäftigen, z. B. mit diesem Buch. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass man es bis lange nach der Lektüre nicht mehr schafft, eine Schnecke zu meucheln.  Statt ständig neuen Salat und damit neuen Hass auf das Schleimige zu säen, könnte man eine sympathische Schnecke mit der Strickliesel basteln und eine Runde „Gartenplagen“ mit den Freundinnen spielen, das lockert schön durch.copy-copy-schnecke1_frei-e1412322472129.png

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