Mehr Gartenplagen: Sitkafichtenlaus im Weihnachtsbaum

Fichte, an der nur noch die oberen Äste dran sind, darunter klettert ein Baumfäller
Gartenschädlinge und andere Plagen gibt es viele, und die Wilden Möhren mussten sich im „Gartenplagen“-Wendespiel auf 24 davon beschränken. Der große Rest folgt nach und nach hier bei den „Neuigkeiten“, zusammen mit unserer losen Folge von „Gartenfreuden“! Über die Ohrkneifer, die meinen Garten durchlöchern, habe ich schon berichtet – diesmal geht’s um einen Schädling bei den Nachbarn.

Die Siebziger lassen grüßen

Wörter wie „Blaufichte“ und „Sitkafichtenlaus“ katapultieren mich gedanklich immer in die 70er-Jahre. Damals wurden viele Gärten Jahr für Jahr mit ausrangierten Weihnachtsbäumen bestückt, Blaufichten zumeist. Die hielten nicht nur nach wenigen Jahren zuverlässig die Blicke der Nachbarn fern, sondern verdunkelten auch den Horizont und versauerten den Boden. Heute sind Nadelbäume bei vielen Hobbygärtnern aus geschmacklichen und ökologischen Erwägungen verpönt. Auch ich zuckte nur unbeteiligt mit den Schultern, als mir im Frühsommer auffiel, dass in einem Garten in der Nähe des Wilde-Möhren-Gartens eine haushohe Blaufichte komplett braun wurde, ausgesaugt von der Sitkafichtenlaus. Langweiliger Baum, seltsame Farbe, gehört sowieso nicht in kleine Gärten, dachte ich.

Drei in einem Jahr

Bis die Fichte – natürlich mit Genehmigung der Stadt – gefällt wurde. Plötzlich wurde mir klar, dass dies der dritte große Baum in der Umgebung war, der dieses Jahr aus meinem Blickfeld verschwand. Eine Kiefer im Vorgarten der Nachbarn musste raus, nachdem ein Frühjahrssturm einen großen Ast auf ein darunterstehendes Auto geschleudert hatte. Eine Robinie wurde für krank befunden und bis auf einen Stumpf abgesägt. Sie treibt jetzt wieder aus, immerhin, allerdings auf niedrigem Niveau. Und jetzt die Blaufichte, dahingerafft von einem Schädling, der in den letzten warmen Winter so gut gedieh wie lange nicht mehr. Die Spitze der Fichte ist abgeschlagen und hängt geknickt nach unten.

Nicht mehr hoch hinaus

Drei haushohe Bäume fehlen nun in unserer Umgebung, alle drei keine Pflanzen, die ich neu in meinem Garten pflanzen würde – zu groß, zu unpassend, bei Sturm zu gefährlich so nah am Haus, mal ganz abgesehen vom Wurzeldruck auf die Kellermauern. Noch diesen Sommer hatte ich geflucht, weil ich Hunderte von Robiniensämlingen aus unserem Rasen herausschrauben musste. Und doch! Der Anblick der Gegend ist ein anderer. Die Bäume, über Jahrzehnte gewachsen, hatten das Straßenbild geprägt. Die Fassaden der Häuser wirken nackter, die Bepflanzung weniger wild. Schade eigentlich, denke ich inzwischen. Es ist wie der Alltag auch sonst oft: Das Zufällige, Unpassende, Unkontrollierbare, Unmodische fällt mehr und mehr weg. Klimawandel und Fichtenlaus helfen mit. Und die Eichhörnchen springen jetzt nur noch auf halber Höhe.

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