Rasen auf Sandboden

Nährstoffarmer und trockener Sandboden, wie wir ihn in Hannovers Norden haben, ist für Gartenbesitzer eine Herausforderung. Ohne ständige Aufmerksamkeit wird es da nichts mit dem gepflegten Grün. Wer trotzdem Gras möchte, für den habe ich hier ein paar eigene Erfahrungen und Tipps (teilweise auch Bezugsadressen in Hannover) zusammengestellt – nicht nur für Sandboden.

Rasen – Für und Wider

Rasen hat große Vorteile: Er ist auch im Winter grün, er bringt optisch Ruhe in den Garten und man kann darauf Partys feiern, Boccia spielen und sich auf einer Liege lümmeln. Der Rasenschnitt lässt sich im angetrockneten Zustand gut kompostieren oder als Mulchmaterial verwenden. Die Nachteile von Rasen sind aber gewichtig, vor allem die Arbeit, die er macht: mähen, wässern, düngen, Unkrautstechen, Kanten schneiden – da kommen sicher mehr Stunden pro Jahr zusammen als für ein gut angelegtes, eingewachsenes Staudenbeet.

Die Bodenfrage

Einen schönen Rasen zu haben ist auf jedem Gartenboden eine Herausforderung, ganz besonders aber auf Sandboden. Das liegt daran, dass der leichte, durchlässige Sandboden Wasser nicht gut hält. Die Halme vertrocknen und die anspruchsloseren Wildkräuter haben leichtes Spiel.

Wasser marsch!

saftiger, dichter grüner Rasen – länger nicht gemäht
So saftig sah unser Rasen im Herbst 2017 aus – kein Wunder, es hatte das ganze Jahr über dauernd geregnet!

Wenn es nicht gerade so viel regnet wie in diesem nassen Jahr 2017, hat es der Rasen in unserem Garten im Norden Hannovers sehr schwer. Wir wässern ihn normalerweise trotzdem nicht. Das ist vor allem in unserem Vorgarten ein Problem, denn unter dem Rasen befindet sich nur eine dünne Erdschicht, darunter liegt gleich Schotter. Dadurch ist der Untergrund extrem trocken. Die Folge: Unkräuter breiten sich aus, und der Rasen sieht immer ungepflegt und vertrocknet aus. Wer die Möglichkeit hat, ohne kostbares Leitungswasser zu verschwenden, seinen Rasen auch im Sommer mit einem Sprenger oder gar einer Bewässerungsanlage feucht zu halten, sollte dies also besser tun. Immer sehr ausgiebig und morgens oder abends wässern – nur mal kurz den Schlauch draufzuhalten nützt leider gar nichts und in der prallen Sonne sollte man es sowieso nie tun!

Regelmäßig düngen

kleiner Garten als Baustelle, hauptsächlich ist sandiger Boden zu sehen, mit dunklen Komposthaufen auf den Beeten und einer Mulchschüttung daneben; ganz vereinzelt blühen Frühlingsblüher am Bildrand
Baustelle Garten: So sah der Garten nach der Kompost- und Mulchanlieferung von aha aus …

Leider haben wir es am Anfang verpasst, unseren Rasen regelmäßig zu düngen. Dadurch hatten Unkräuter, nachdem der erste Nährstoffvorrat (Kompost von aha) verbraucht war, leichtes Spiel. Inzwischen sind wir schlauer: Wir düngen regelmäßig vom Frühjahr bis in den Oktober, damit der Rasen genug zu futtern hat. Einer der günstigsten und sicher auch einer der erfolgversprechendsten Dünger ist der von Aldi. Nachteil: Es ist kein organischer Dünger (für Rundum-Biogärtner also nicht zu empfehlen)  – und man kann ihn nur zweimal im Jahr für kurze Zeit kaufen. Besser fürs Öko-Gewissen, aber auch deutlich teuerer sind z. B. Rasendünger von Oscorna oder Neudorff.

So oft wie möglich mähen

Bis vor wenigen Monaten haben wir unsere beiden Rasenflächen mit einem Handrasenmäher kurz gehalten – eine echte Plackerei, obwohl die Flächen wirklich klein sind. Dieses Frühjahr haben wir dann richtig investiert, in einen Akku-Mulch-Mäher. Vorteile: kein Kabel, kein Auffangkorb nötig, kaum Muskelkrafteinsatz. Der eigentliche Vorteil aber kommt dem Rasen selbst zugute: Wir haben mehr Lust zu mähen und tun das sehr viel öfter als früher. Das kleingehäckselte Schnittgut bleibt einfach auf dem Rasen liegen, der dadurch gleich noch gedüngt wird. Es bewahrheitet sich mal wieder: besseres Werkzeug führt zu besseren Ergebnissen!

Unkrautrosetten ausstechen

Auf unserem Rasen keimt alles Mögliche: Löwenzahn, Klee, Hahnenfuß und die Robiniensamen von den Nachbarn. Die Blattrosetten von Löwenzahn und Breitwegerich stechen wir regelmäßig mit einem Unkrautstecher tief aus, dadurch behalten wir sie sehr gut im Griff. Immerhin dabei ist der Sandboden von Vorteil: Das Unkraut lässt sich wirklich leicht entfernen! Auch die Baumsämlinge sind kein Problem. Hahnenfuß und Klee sind schwierigere Kandidaten, angeblich soll sehr häufiges Mähen und regelmäßiges Düngen helfen. Ich weiß ja nicht … Sehr kontemplativ finde ich es hingegen, an einem sonnigen Nachmittag auf dem Bauch auf der Liege zu liegen und den verschlungenen Wurzeln des Klees zu folgen und sie rauszureißen. Natürlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber es tut aufgeregten Nerven gut – doppelter Nutzen also! 🙂

Rasenfläche reduzieren

Hin und wieder sollte man sich kritisch fragen: Brauchen wir den Rasen, so, wie er jetzt ist, eigentlich noch? Wären wir nicht mit einer Streuobstwiese, die wir zweimal im Jahr professionell mähen lassen, besser dran? Richtige Blumenwiesen machen allerdings vielleicht  genauso viel Arbeit wie ein Rasen, sie müssen nicht nur mit der Sense gemäht, sondern auch umgepflügt werden, deshalb ist das für den privaten Garten in den seltensten Fällen eine Option. Aber über ein zusätzliches Staudenbeet oder einen Teich statt des Rasens kann man ja vielleicht nachdenken. Hauptsache, man kommt nicht auf den Gedanken, „pflegeleichte“ Kiesflächen anschütten zu lassen! Bitte tun Sie das unserer ohnehin gefährdeten Insektenwelt nicht an. Und für Ihr eigenes Wohlbefinden ist der Anblick von Grün auch viel besser!

Rasenkanten verlegen

Wer nicht ständig die Grenzen seines Rasens mit dem Spaten neu abstechen möchte, sollte die Grenze zwischen Rasen und Beeten sauber ziehen – sonst erobert das Gras flugs alle umliegenden Beete. Die Grenze markiert man zum Beispiel mit speziellen Rasenkantensteinen oder – schöner – Natursteinen, die man in einen Streifen Beton einlässt. Oder man setzt – sehr  modern und sehr nützlich – eine Rasenkante aus Metall. Wir haben den Fehler gemacht, zu kleine Granitsteine, die wir ohnehin übrig hatten, ohne Fundament, nur auf etwas Schotter zu verlegen. Das Ergebnis ist, dass die Kantsteine überwuchert werden und durch den Druck des Rasenmähers absacken, mit dem man über sie hinwegfährt. Aber was soll’s: Der Rasen wird sich ohnehin nie exakt an seine Grenzen halten. Wenn man ihn einmal verspätet mäht und er Gelegenheit hatte zu blühen, finden sich im Nu Sämlinge auch in den umliegenden Beeten. Immerhin haben wir Sandboden-Gärtner dann den Vorteil, dass sie sich leicht rauszupfen lassen!

Fürs Aussäen oder Verlegen Profis ranlassen

Die Anlage eines Rasens ist eine der Arbeiten, die ich mir in unserem Garten nicht zugetraut habe. Das gilt schon für die Auswahl des Saatguts: Bitte kein Billigsaatgut im Supermarkt kaufen – das bereut man sicher sehr bald, weil die enthaltenen Grassorten minderwertig sind und womöglich Unkrautsamen mitgeliefert werden. Beim Aussäen gilt es am Anfang, den Boden möglichst unkrautfrei zu machen und vor allem: zu ebnen und zu verdichten. Wer da nicht supergewissenhaft mit Rechen und Walze umgeht, wird sich in seinem Garten später über eine Buckelpiste ärgern! Das Gleiche gilt vermutlich für Rollrasen – und der ist zudem auch noch viel teurer als Saatgut.

Gelassenheit

Mischung aus runden Bubikopf-Blättchen und Grashalmen, dazwischen hellblaue sternförmige Blüten
Der Blaue Bubikopf im Rasen: Gelegentliches Abmähen schadet nicht – und der Anblick der niedlichen Blüten im Rasen ist von Juni bis Oktober entzückend

Den perfekten Rasen hat kaum jemand. Er ist meines Erachtens nur mit unendlichem Aufwand und dem Einsatz fieser Unkrautvernichtungsmittel zu bewerkstelligen. Vielleicht müssen wir einfach nur unsere Vorstellungen ändern: Klee und Gänseblümchen statt Gras? Ich habe in unserem Garten durch Zufall eine Alternative entdeckt: Der „Blaue Bubikopf“ (Pratia pedunculata) hat sich aus einem Beet in den Rasen ausgesät und bildet mit den Grashalmen zusammen auf einem Großteil der Fläche eine schöne, dichte Narbe, die mit winzigen hellblauen Sternchen geschmückt ist. Weil die Fläche so dick und so dicht bewachsen ist, hält sie das Wasser viel besser als Gras allein. Vielleicht auch eine Idee für Sie?

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